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Apr 22

Es gibt so Tage…

Posted on Freitag, April 22, 2011 in Rettungsdienst

… die fangen einfach schon scheiße an. Eine paar Tage Rufbereitschaft und mit ein wenig Glück also einfach nur in der Sonne sitzen und den freien Tag genießen. 6:30 Uhr am morgen klingelt das Handy aber bereits. Kollege krank… war nix mit freier Tag – auf zur Wache und bis 19 Uhr auf dem RTW sitzen.

Angekommen, umgezogen und Einsatzbereit gemeldet geht es auch schon direkt los:

#1 ein internistischer Notfall, der Anrufer konnte sich nicht so recht äußern.
Daraus wurde dann eine NEF-Nachforderung und eine Fahrt direkt ins Herzkatheterlabor

Freimeldung wurde mit Einsatz #2 belohnt, wo wir doch gerade da stehen können wir natürlich auch eine Verlegung machen.

#3 folgt keine 5 Minuten nach der Freimeldung und der Hoffnung endlich Frühstücken gehen zu können. Arbeitsunfall, nix wildes.

#4 bekamen wir dann gerade als wir in die Wache einfahren wollten. Der hier angekündigte Herz-Kreislauf-Stillstand entpuppte sich dann als harmlose Kopfplatzwunde.

Wir schaffen es nach dem 4. Einsatz wirklich auf die Wache… allerdings reichte es nur zum einparken.

#5 war ein altbekannter Hausnotrufteilnehmer und der Einsatz nur eine Hilfeleistung.

#6 kam mit der Freimeldung, da wir günstig für eine Feuermeldung standen. Fehlalarm, also wieder frei gemeldet und gleich zum nächsten Einsatz.

#7 ein Verkehrsunfall auf einer Bundesstraße. Keine Verletzten!

vor #8 hätten wir es beinahe wieder auf die Wache geschafft, aber ein Apoplex wollte noch zur Stroke Unit gebracht werden. Dort im Status 8 wurden wir bereits für

#9 alarmiert. Eine bewußtlose Person bei einem nahegelegenen Aldi Markt. (war eine Hypoglykämie)

#10 und #11 waren zwei unklar internistische KHK-Sachen und kamen natürlich jeweils vor unserem Eintreffen an der Wache.

#12 kam wieder als wir noch im Status 8 waren. Das hatte es schon eher in sich. Ein Verkehrsunfall mit Motorradfahrer auf der nahegelegenen Autobahn verkündete unser DME. Der dafür zuständige RTW war unterwegs – ein NEF war auch alarmiert. Auf der Anfahrt teilte man uns mit das es sich um zwei verletzte Motorradfahrer handeln würde, zusätzlich würde der RTH und ein weiterer RTW aus dem Nachbarkreis kommen. Wir kämpften uns durch den Stau und zu den zwei Patienten. Einer der beiden Motorradfahrer war tatsächlich ohne Helm und ohne Schutzkleidung unterwegs – eine detailierte Beschreibung dieses Anblicks erspare ich euch hier mal. Für ihn konnten wir auch definitiv nichts mehr tun. Der zweite Patient wurde von uns versorgt und dann an den RTH übergeben.

#13 Der nächste Einsatz fand uns. Während der Rückfahrt von #12 wurden wir von einem Passanten rangewunken der uns mitteilte er wollte “gerade die Rettung anrufen”. Eine Inline-Skaterin war gestürzt und klagte über starke Schmerzen im Knie. (Knieschoner sind ja auch für Weicheier, ne?) Also einmal zum Röntgen fahren.

#14 war erneut eine Alarmierung während wir noch im Status 8 waren. Wieder ging es mit dem NEF von der #12 zu einem VU mit Motorrad, der sich allerdings dieses mal zum Glück als Fehlfahrt rausstellte. Der Motorradfahrer hatte einfach die Kontrolle über seine Maschine verloren, war aber nicht sonderlich schnell unterwegs und die gute Schutzkleidung und der Helm sorgten dafür das er das ganze unverletzt überstand. (So kann es auch gehen!)

#15 war ein “internistisches Polytrauma” – hier waren wir vorerst alleine hingeschickt worden. NEF brauchte dann noch mal 14 Minuten während wir doch alle Hände voll zu tun hatten. Im Krankenhaus angekommen habe ich der Leitstelle mitgeteilt das wir danach im Status 6 zur Wache fahren, weil unser Auto inzwischen wirklich gut leer war.

Auf der Wache angekommen und Medikamente und Verbrauchsmaterial aufgefüllt und gerade angefangen die Einsätze einzugeben ging es tatsächlich noch mal raus zu

#16 einem Kreislaufkollaps auf einem Sportplatz. Ja, kurz vor dem Kollaps standen wir auch nach dem Tag…

Mit 45 Minuten plus übergaben wir dann Auto und Melder unserer Ablösung. Während wir denen den Melder in die Hand drücken geht dieser auch schon erneut für einen weiteren Einsatz. Diesmal aber ohne uns. “Büroarbeit” verschieben wir auf die nächste Schicht. Vielleicht sind die Kollegen ja auch so nett und tippen das soweit möglich für uns schon ein.

Nein, zum Glück ist so ein Tag eher die Ausnahme als die Regel. Nach so einem Tag kann man auch nur noch eines machen: Duschen, “Frühstücken” und schlafen.

 

Mrz 30

Action, Blaulicht und Leben retten

Posted on Mittwoch, März 30, 2011 in Rettungsdienst

Na, habe ich eure Aufmerksamkeit mit dem Titel?

Es ist mal wieder so weit, es gibt neue Zivis und neue FSJ’ler für unsere Wache. Wie immer ein bunt gemischter mehr oder weniger motivierter Haufen an angehenden Rettungssanitäter(innen). Alle mit einem ganz eigenen Bild des Rettungsdienstes.

Auch “mein” neuer Zivi hat um 7:10 Uhr zu uns gefunden. (Schichtbeginn war 7:00 Uhr, erster Minuspunkt)

Die ersten zwei Wochen seines Fachlehrgangs hat der Zivi bereits hinter sich, ebenso zwei Wochen Klinikpraktikum – sollte also schon einiges gelernt haben. Da wir eh gerade am Auto checken waren, konnte er das ja gleich mal unter Beweis stellen und beim Check des Koffers helfen. Laaaaaaangweilig, diesen Eindruck vermittelete er die ganze Zeit über. Auch während der Erklärung wo im RTW was verladen ist. Besonders kommunikativ stellt er sich dabei nicht dar, vermutlich noch zu müde.

Oben auf der Wache versuchen wir dann doch mal etwas mehr über ihn zu erfahren. Warum Rettungsdienst als Zivi-Stelle? Na weil man da wenigstens was erleben kann und mit Blaulicht fahren kann!!! Jaaa…. er hat es gut drauf gehabt mit dem Minuspunkte sammeln. Das ging den Tag über so noch weiter. Natürlich war die erste Fahrt ein Krankentransport – wie langweilig… so völlig unter seinem Niveau. Kollege musste ihn noch vom Beifahrersitz nach hinten verscheuchen. Dort gehört er auch hin – er soll ja was lernen.

Es ging weiter mit zwei nicht dringenden Verlegungsfahrten, was ihn sichtlich nervte und mich köstlich amüsierte. Lieber Rettungs-Rambo-Zivi: Die allermeisten unserer Fahrten sind trotz anfänglich vielleicht dringender Anfahrt und dramatisch klingenden Einsatzstichworten doch – zum Glück – nur harmlose Einsätze bei denen insbesondere auch die soziale Kompetenz diejenige Eigenschaft ist, die am meisten gefordert wird. Diese mussten wir unserem Zivi leider aberkennen.

Tatsächlich hatten wir nämlich dann doch noch einen Notfalleinsatz an seinem ersten Tag. Ein Verkehrsunfall auf der angrenzenden Autobahn, zwei beteiligte Autos. Das erste mal das er ein wenig Interesse zeigte – allerdings mehr daran ob und wann wir endlich die Presslufthörner einschalten als daran was er bei dem Einsatz mitnehmen soll. *sfz*

An der E-Stelle gab es keinerlei Verletzte – nur eine ältere Dame die etwas durch den Wind war. Aber sich mit ihr zu unterhalten oder sie zu beruhigen ist … natürlich unter seinem Niveau.

Nein, ich erwarte nicht von neuen Zivis oder FSJ’lern das sie am ersten Tag schon voll mitarbeiten. Wirklich nicht – aber ich erwarte zumindest ein Mindestmass an Interesse an der Arbeit und Lernbereitschaft. Wer meint das Krankentransporte oder Verlegungen einfach nur langweilig sind, der hat in dem Beruf (auch als Zivi) einfach nix zu suchen.

Zum Glück gibt es auch ganz andere Beispiele, wie der Zivi mit dem ich in dieser Woche gefahren bin.

Unser hier genannter Zivi hat übrigens nach dem ersten richtigen Notfalleinsatz (nicht mit uns) das Handtuch geworfen und sich auf eine andere Zivi-Stelle versetzen lassen.

 

Jan 26

Klonen müsste man sich können

Posted on Mittwoch, Januar 26, 2011 in Rettungsdienst, Sysadmin

Jahresanfang, gepaart mit Urlaubs- und hohem Krankenstand. Am liebsten würden meine Chefs mich die ganze Zeit noch in Doppelschichten packen. Dazu noch die eigene Arbeit… schlafen wird ja eh vollkommen überbewertet.

Anna ist der Meinung, dass selbst 6 Stunden Schlaf nicht ausreichend sind. Mal grob nachgerechnet komme ich im Durchschnitt auf 4-5 Stunden Schlaf. Auf Dauer ist das aber wirklich nicht empfehlenswert.

Früher war die Auslastung der Wachen so schön ruhig, dass ich in einer Schicht problemlos meine ganzen Arbeiten die ich sonst so zu tun hatte nebenher erledigen konnte. Heute geht das nicht mehr, es gibt Schichten an denen sehe ich die Wache nur zur Fahrzeugübergabe und vielleicht mal kurz zum auffüllen verbrauchter Materialien.

Da ich schon anderen nahe lege mal etwas langsamer zu machen und sich eine Auszeit zu gönnen, sollte ich das selbst wohl auch mal beherzigen. Das Leid der Selbstständigkeit macht es da aber auch nicht wirklich einfach. 5 Arbeitsfreie Tage im Rettungsdienst liegen vor mir (Ab Montag). Mal schauen ob ich es schaffe die Anrufe (die sicher kommen werden) von der FDL zu ignorieren und ob ich meine eigenen Arbeiten wirklich auch mal Ruhen lassen kann.

Irgendwelche Tipps? Außer der Zerstörung meines Laptops und Handy?

Jan 23

0 Transporte

Posted on Sonntag, Januar 23, 2011 in Rettungsdienst

Wenn die Tagschicht einen morgens mit “Nix geschafft?” begrüßt und man trotzdem hundemüde ist, dann war die Nacht nicht sonderlich erholsam und dennoch nicht erträglich. Ja, 0 Transporte waren im Computer verzeichnet. Aber unterwegs waren wir trotzdem öfter. Der Verkehrsunfall ohne verletzte, die Wohnungsöffnung mit Feuerwehr und Polizei, nur eben ohne Patient in derselben. Danach blieb es lange Zeit verdächtig ruhig und natürlich ging es dann erst weiter, als wir uns hingelegt hatten. Erneut zu einem Verkehrsunfall mit PKW der sich angeblich überschlagen hat – also RTW+NEF. Von überschlagen wusste keiner was als wir ankamen und verletzt war auch niemand… nur von der Fahrbahn abgekommen ist das Auto. 3:20 Uhr wieder auf der Wache, noch mal hinlegen?

3:45 Uhr nächster Einsatz. Bewusstlose Person an einer Bushaltestelle. Der Kumpel der “bewusstlosen Person” winkt uns auch schon eiligst herbei, als wir nach 2 Minuten Fahrtzeit da ankommen. Kurz zusammengefasst: Die Bewusstlosigkeit ist simuliert und die beiden erwarteten doch tatsächlich von uns, dass wir sie nach Hause befördern. Das hat mich sehr an einen Artikel vom firefox05c erinnert: siehe hier! Ist auch nicht das erste mal, dass ich sowas erleben durfte.

Kurz bevor wir die Wache erreichen bekommen wir einen Folgeauftrag für eine Hilflose Person, ebenfalls wieder an einer Bushaltestelle. Die war allerdings so wenig hilflos, wie der bewusstlose im Einsatz zuvor wirklich bewusstlos war. Nach dem aufwecken und der Bestätigung durch diese Person das alles in Ordnung ist und er auf den ersten Bus wartet und dann nach Hause fährt ist für uns dann die Nacht auch schon fast vorbei. Für eine Stunde noch mal hinlegen lohnt sich nicht.

0 Transporte und 0 Schlaf. Ich glaube ich hole jetzt mal ein wenig davon nach. ;)

Gute “Nacht”!

Jan 19

Könnt ihr noch kurz…

Posted on Mittwoch, Januar 19, 2011 in Rettungsdienst

Ich glaube die meisten Kollegen aus dem Rettungsdienst kennen diesen Satz von der Leitstelle in dieser oder ähnlicher Form:

Könnt ihr noch kurz eine kleine Fahrt übernehmen?

Damit sind dann meist irgendwelche Krankentransporte gemeint. So auch während eines KTW-Blocks vor einiger Zeit. Die Woche hatte ich Spätdienst auf einem KTW der bis 22:40 Uhr fährt und der eigentlich dazu gedacht ist die Anzahl der Überstunden zu reduzieren, die man so im RTW aufbaut.

Dieses mal hatte ich einen Zivi dabei der frisch von seinem RS-Lehrgang kam und heute seinen ersten Tag als 2. Mann auf dem Auto hatte. Den Nachmittag über hatten wir schon einige Krankentransporte gefahren und ich war von der fachlichen und sozialen Kompetenz des Zivis wirklich überrascht.

Um 22:10 Uhr waren wir in der örtlichen Klinik wieder frei und da kam dieser besagte Satz über Funk. Natürlich können wir… ist ja nur eine Fahrt in das knapp 8 Kilometer entfernte Altenwohnheim und könnte sogar gerade noch zeitlich klappen.

Auf der Fahrt zum Altenwohnheim bekomme ich von unserer Patientin, die geistig noch top fit war, erzählt wie sehr ich sie doch an ihren Enkel erinnere und der ja auch (!) bald Zivi machen würde. Die Erklärung, dass ich gar kein Zivi (mehr) bin habe ich mir erspart. Auf alle Fälle kam die alte Dame sehr sympathisch rüber und freute sich auch darauf “nach Hause” zu kommen. Die sind ja alle sehr nett da in dem Altenwohnheim.

Nach kurzer Fahrt haben wir das besagte Altenwohnheim erreicht, wo wir bereits erwartet wurden. Das ist nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Oft ist es eine recht langwierige Angelegenheit eine Pflegerin zu finden, die mit uns die Übergabe macht. Hier jedenfalls wurde unsere Patientin schon erwartet und eine Pflegerin begleitete uns zu ihrem Zimmer. Wir haben unsere Patientin dort dann noch auf das Bett gesetzt und uns freundlich von ihr und der Pflegerin verabschiedet und machten uns dann auf den Weg zurück zum Fahrstuhl.

Unten angekommen kam uns eine andere Pflegerin entgegen und sagte wir sollten doch bitte schnell mitkommen, die Bewohnerin, die wir eben gebracht hätten wäre jetzt bewusstlos. Den Kollegen schicke ich mit dem Stuhl zum Auto um unser Material zu holen und folge dann der Pflegerin wieder zurück zu dem Zimmer wo wir eben schon waren.

Dort angekommen war die andere Pflegerin bereits dabei an unserer Patientin (im Bett liegend) Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. Nach kurzer Rückfrage ob Pflegerin 2 bereits die Leitstelle verständigt hat, übernahm ich dann die Führung und verlagerte die Patientin nun erst mal vom Bett auf den Boden. Atmung und Puls waren tatsächlich nicht vorhanden und zusammen mit dem Kollegen und dem (KTW-)Material fingen wir dann unser Standard-Programm an. Sicherheitshalber ließ ich mir von Pflegerin 2 noch mal die Leitstelle ans Telefon holen und fragte dort nach, ob man auch wirklich den NAW unterwegs zu uns hätte.

“NAW? Ja, wir hatten einen Anruf hier vom Pförtner der gesagt hat sie bräuchten da einen Krankenwagen mit Blaulicht. Wollte euch deswegen ansprechen, wenn ihr euch frei meldet!”

Ich hatte es mir ja fast gedacht… also kurz die Situation geschildert. NAW war bereits im Einsatz, daher RTW+NEF auf dem Weg.

Zusammen mit dem RTW und dem NEF haben wir dann noch eine gute Stunde alles versucht, bevor der Doc dann nach durchlesen der kompletten Krankenakte und Rücksprache der Angehörigen die Reanimation abbrach.

Im Status 6 auf dem Weg zur Wache war der Kollege sehr still, zu still im Vergleich zum restlichen Tag. Der Einsatz hatte ihn wohl doch mehr mitgenommen als er vor Ort zugeben wollte. Trotz aller Zusicherungen, dass er einen sehr guten Job gemacht hat war er sichtlich mit Zweifeln und Schuldgefühlen geplagt. Gegen 00:45 Uhr haben wir nach auffüllen des Koffers dann Feierabend gemacht. Feierabend hieß in dem Fall: Wir waren bei mir noch was trinken und haben den Einsatz und den gesamten Tag da noch mal durchgesprochen und uns über den “Alltag im Rettungsdienst” (nein, nicht über Paul) unterhalten. Gegen 4:30 Uhr ist er dann nach Hause und ich war wirklich sehr froh, ihn am nächsten Nachmittag wieder beim Dienst zu sehen. Für eine Weile war ich der Meinung er gibt auf……