Zahlungsunwillig – Part 2
Mit Teil 1 bzw. dem vorherigen Artikel hat das zwar nun so gar nichts zu tun, aber es macht mich echt gerade so unglaublich wütend, dass ich mir hier echt mal Luft machen muss.
Wo leben wir eigentlich inzwischen? Bestellen und Verträge abschließen und dann, wenn es um die Zahlungen geht einfach auf den Ignore-Modus schalten?
Mein aktueller Hass-Fall in diesem Zusammenhang. Ein Kunde hat sich als “Werbeagentur” bei mir angemeldet und ein Hosting-Paket inklusive Domain bestellt. Der generierte Vertrag wurde unterschrieben und per Fax an uns übermittelt und das Paket freigeschaltet. Rechnung wurde automatisch erstellt und verschickt. Zahlung erfolgte nie. Zahlungserinnerung, Mahnung 1, Mahnung 2, Mahnug 3 folgten ohne Reaktion. -> Übergabe an das Inkasso-Institut.
Ich glaube den Rest tippe ich mal lieber chronologisch runter sonst kommt da zuviel negative Wertung von meiner Seite noch dazu:
25.10.2010 Inkasso Mahnschreiben (Brief, E-Mail, SMS)
01.11.2010 Bonitätsauskunft (Negativeintrag: Haftbefehl)
09.11.2010 Inkasso Mahnschreiben (wegen keine Reaktion)
23.11.2010 Call Collect – “Mitarbeiter” von Schuldner ging ran. Schuldner nicht erreichbar – Rückrufnummer und Aktenzeichen hinterlassen
13.12.2010 Inkasso Mahnschreiben (Ankündigung Anwaltsübergabe und Einmeldung an Auskunfteien)
13.12.2010 Vollmacht von mir zur Weitergabe an Anwalt und Mahnverfahren
21.12.2010 Anwaltsmahnschreiben
31.12.2010 Einmeldung an Auskunfteien
04.01.2011 Anwaltsmahnschreiben Nr. 2 (keine Reaktion)
19.01.2011 Mahnbescheid beantragt
21.01.2011 Mahnbescheid zugestellt
10.02.2011 Vollstreckungsbescheid beantragt
22.02.2011 Schreiben vom Amtsgericht: Schuldner widerspricht der vollständigen Forderung
23.02.2011 Anruf vom Schuldner: Gibt an das er allem widersprechen wird, weil er Gesamtschulden von ca. € 40.000,– hat. Versucht über Verwandte kleinere Forderungen zu begleichen und bittet möglichen Vergleich von € 100,– verhandelt (mitgeteilt das es abgeklärt wird).
Ich glaub ich bekomme einen Anfall. Rein aus Prinzip sollte ich das Klageverfahren durchführen, auch wenn ich damit wissentlich noch gutes Geld verbrenne in dem Wissen es sowieso niemals mehr zurück zu bekommen.
Ich bin stinkesauer…
Was soll man dazu sagen? Einfach dreist mit ner gehörigen Spur Dämlichkeit. Ich versteh gerade einfach nicht “wieso” dieser Schuldner überhaupt erst die Domain bestellt hat. Wenn er sie nicht bezahlen will kann er doch sicher sein, dass er sie zum einen nicht lange benutzen kann, zum anderen hohe Kosten entstehen.
[...] Lieblingsschuldner hat nun neben den ganzen Schulden noch ein Klageverfahren am Hals und ich darf mich weiter darin [...]
Begreiflich frustrierend.
Andererseits: wer Leistungen bestellt, von denen er bereits bei Bestellung weiß – oder zumindest als möglich erkennt und billigend in Kauf nimmt -, daß er sie nicht wird zahlen können (was bei Schulden in dieser Höhe und bei Vorliegen eines Haftbefehls zur Erzwingung der Abgabe der eidesstattlichen Versicherung oder nach Abgabe dieser nahe liegt), begeht einen Eingehungsbetrug. Dessen strafrechtliche Ahndung wirkt zwar keine Wunder, ist aber deutlich unangehmer als bloße zivilrechtliche Beitreibungsversuche, insbesondere, wenn sich solche Fälle summieren.
Es freut mich, dass du den Weg hierher gefunden hast.
Eine Anzeige wegen Eingehungsbetrug habe ich übrigens auch gestellt. Leider bisher auch noch nix weiter dazu gehört – außer das dem ein Aktenzeichen zugeordnet wurde.